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Zuerst Hall of Fame der deutschen Forschung, dann erst der Nobelpreis

Stefan Hell, der deutsche Chemie-Nobelpreisträger des Jahres 2014, wurde schon Monate vor der Preisverleihung in die Hall of Fame der deutschen Forschung berufen

Die Hall of Fame der deutschen Forschung, im Jahr 2009 vom manager magazin ins Leben gerufen, ehrt Wissenschaftler, die nicht nur die Forschungslandschaft in Deutschland bereichern, sondern darüber hinaus auch den Wirtschaftsstandort Deutschland zukunftsfähiger machen. Stefan Hell, 1962 als Rumäniendeutscher geboren, hat ein Mikroskopie-Verfahren entwickelt, das viel stärker vergrößert und präzisere Bilder liefert als die Physik für möglich gehalten hat.

Das Nobel-Komitee würdigt das Verfahren, weil es "täglich neues Wissen produziert mit größtem Nutzen für die Menschheit". Es macht zum Beispiel Untersuchungen an lebenden Zellen möglich, die bisher nur mit Elektronenmikroskopen gelangen – wofür die Zellen abgetötet werden müssen. Mit Hells Mikroskopen können Forscher jedoch erkennen, ob eine Körperzelle gerade "entartet", zum Tumor wird. Oder sie können dem Gehirn "beim Denken zusehen", also den Austausch einzelner Botenstoff-Moleküle verfolgen – was die medizinische Diagnostik revolutioniert.

Hell, seit zwölf Jahren Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen, hat zwei Firmen gegründet, die das Verfahren auch außerhalb der Forschungslabore nutzbar machen, etwa durch neu entwickelte Farbstoffe und speziell angefertigte Laser.

Die unabhängige Jury der Forscher-Hall of Fame hat diese Verdienste schon im Frühjahr dieses Jahres gewürdigt und Stefan Hell zum Laureaten des Jahres 2014 ernannt. Die Berufung erfolgt bei einer Feier am 28. Oktober – und damit noch vor der offiziellen Nobelpreisverleihung im Dezember in Stockholm. Die Festveranstaltung im Weltkulturerbe der Essener "Zeche Zollverein" wird gefördert von Evonik Industries und dem Initiativkreis Ruhr.

In die Hall of Fame der deutschen Forschung wurden bisher 14 herausragende Forscher und Entwickler berufen, darunter Manfred Eigen, der Nestor der deutschen Biotechnologie, Harald zur Hausen, der Entdecker eines Impfstoffes gegen Krebs, und Karlheinz Brandenburg, der Entwickler des Datenkompressionsverfahrens mp3. Stefan Hell ist der zehnte Nobelpreisträger in dieser Ruhmeshalle. Neben ihm wird in diesem Jahr auch der Industrie-Entwickler Ludwig Pohl von der Darmstädter Merck KGaA berufen, der Flüssigkristalle industriell nutzbar gemacht hat, etwa für Flachbildschirme.

Mitglieder der Jury:
– Andreas Barner (Sprecher der Geschäftsführung, Boehringer Ingelheim und Präsident des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft)
– Klaus Engel (Vorstandsvorsitzender Evonik Industries)
– Henning Kagermann (Präsident Acatech und ehemaliger Vorstandssprecher SAP)
– Jürgen Kluge (Senior Advisor Merrill Lynch)
– Peter Leibinger (Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, Trumpf GmbH)
– Hermann Requardt (Vorstand Siemens AG)
– Thomas Weber (Vorstand Daimler AG, Konzernforschung und Leitung Mercedes Benz Cars Entwicklung)

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